“Mangelnde Räumlichkeiten, eine unzureichende Ausstattung sowie ein oftmals unzeitgemäßer Unterricht berauben unsere Kinder ihrer elementaren Zukunftschancen”, so der aus Nauen stammende Raimond Heydt, stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes Havelland der Piratenpartei. Seit Jahren findet der Unterricht an den Nauener Grundschulen in Räumlichkeiten statt, die für die vorhandenen Schülerinnen und Schüler nicht ausreichend sind.Die regelmäßig durch die Schulvisitation durchgeführten Kontrollen bestätigen diesen Sachverhalt, ebenso wie das zuständige Schulamt in Brandenburg an der Havel.“Die Zeit für einen Neubau ist überreif. Beengte Räume und fehlender Platz auf dem Schulhof verschärfen die Konflikte zwischen den Schülerinnen und Schülern und behindern die Kinder in ihrer Lernentwicklung”, so Heydt weiter. “Die PIRATEN in Nauen hoffen, dass jetzt, wo bald der letzte Bürgersteig neu gepflastert ist, der Bürgermeister aus seinem schulpolitischen Dornröschenschlaf erwacht und endlich seiner Verantwortung als Schulträger gerecht wird.”
Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um den integrativen Unterricht ist das Bekenntnis der Stadt zur Regenbogenschule als Förderschule des Landkreises völlig unangebracht. Die Förderschule in Brandenburg ist gescheitert – Brandenburg ist mit großem Abstand das Bundesland mit den meisten Schulabgängern ohne ordentlichen Schulabschluss. An Brandenburger Förderschulen wird oftmals gar kein Abschluss für das Kind angestrebt. Klartext: Es werden Schüler der ersten und zweiten Klasse von den städtischen Grundschulen an die Förderschule verwiesen, weil sie nicht ins vorherrschende frontale Unterrichtsschema passen. Damit ist bereits vorgezeichnet, dass diese Kinder zehn Jahre später ohne Schulabschluss ins Berufsleben starten müssen.
Aufgrund einer Vielzahl von Beschwerden seitens Elternvertretern aus den verschiedenen Grundschulen muss generell die Frage nach dem im § 3 des Schulgesetzes verankerten Bildungsrecht der Kinder auf individuelle Förderung gestellt werden. Den größten Teil der Zeit verbringen unsere Kinder nach wie vor im altbekannten Frage-Antwort-Spiel mit dem Lehrer oder allein über ihre Aufgabenblätter gebeugt. Die Nauener Grundschulen scheinen weitestgehend immun gegen die Erkenntnisse aus 20 Jahren theoretischer Schulforschung und praktischer Schulentwicklung zu sein. “In Reih und Glied aufgestellte Pulte zeigen deutlich, dass eine Kommunikation der Schülerinnen und Schüler im Lernprozess nicht gewünscht ist. Die Entwicklung sozialer und kommunikativer Fähigkeiten wird vorsätzlich gehemmt. Wir PIRATEN glauben, dass Kinder besser miteinander als nebeneinander lernen können. Es darf auch mal über den eigenen Tellerrand geschaut werden.” so Heydt.
Hinzu kommen erhebliche Defizite im Englisch-Unterricht und im Umgang mit Computern. Nur weil Brandenburger Schülerinnen und Schüler bundesweit die schlechtesten Englischkenntnisse haben, muss es an unseren Schulen ja nicht genauso sein, wie die Beispiele des Leonardo da Vinci Campus in Nauen oder der Europagrundschule in Falkensee beweisen. Und wenn sich im Jahr 2011 noch drei Kinder einen Computer im Unterricht teilen müssen, fragen wir PIRATEN uns, ob der Stadt, als für die Ausstattung verantwortlichem Träger, überhaupt etwas an den Zukunftschancen unserer Kinder liegt.
Der Piratenpartei geht es nicht um einen zusätzlichen Satz neuer Computer hier oder einen Anbau da, sondern um eine bewusste Neuausrichtung der Nauener Schullandschaft. “Wir brauchen keine Flickschusterei im Hinterzimmer, sondern eine breit angelegte öffentliche Debatte unter Einbeziehung aller Betroffenen um die Zukunft unserer Schulen. Im Zweifel werden die Bürgerinnen und Bürger bei der nächsten Kommunalwahl entscheiden, wie viel ihnen die Bildung ihrer Kinder wert ist.”, so Raimond Heydt.
Die Piratenpartei lädt alle am Thema Bildung interessierten Menschen am 24. November 2011, um 19:00 Uhr zu einem Arbeitstreffen “Zukunft der Schule – Schule der Zukunft” in die Mittelstraße 47 nach Nauen ein.
Für Rückfragen stehe ich gerne zu Verfügung.
Raimond Heydt
mobil 0160-4399488
email r.heydt@piratenbrandenburg.de




Ist das der Schreiber dieses Artikels?
Das erste Graffito meines Lebens”
Der Student Raimond Heydt, 27, sprühte am vergangenen Freitag “Make love not war” an das Bundeskanzleramt – drei Meter lang und leuchtend rot. Das Recht dazu leitet er aus dem Grundgesetz ab. Gegen seine Festnahme will er klagen
taz: Herr Heydt, mit welcher Farbe haben Sie da eigentlich des Kanzlers Wand besprüht?
Raimond Heydt: Leuchtend Rot. Das war ganz normale Lackfarbe aus dem Baumarkt, die Dose für zwölf Mark.
Ihr Spruch wurde sofort wieder weg gewischt – dafür stehen Sie jetzt in der Öffentlichkeit. Es scheint, als habe die Aktion eher Ihrem persönlichen Geltungsbedürfnis gedient.
Nein. Jedes Mal, wenn Leute etwas darüber lesen oder das Foto sehen, denken sie vielleicht: Moment, in diesem Land passiert etwas Falsches.
Geht ihre Botschaft über “Make love not war” hinaus?
Ich wollte zeigen, dass Sicherheit eine Fiktion ist. Und dass man sich vor diesem Staat nicht fürchten muss. Außerdem wollte ich vor der Bundestagsdebatte die Friedens-Botschaft noch einmal in die Köpfe bringen.
Wie entstand das Graffito genau?
Erstmal habe ich gehofft, dass die Spraydose nicht versagt. Schließlich war es das erste Graffito meines Lebens. Mit dem Peace-Zeichen habe ich angefangen. Und als ich beim “not” war, habe ich über die Schulter schon Polizisten herbeirennen sehen. Vorher konnte ich aber noch zuende schreiben. Wenn ich eine Minute mehr Zeit gehabt hätte, hätte ich mich vor die Wand gesetzt – als Friedensmahnwache.
Was ist nach Ihrer Festnahme passiert?
Die Streifenpolizisten haben mir Handschellen angelegt. Weil ich meinen Namen nicht nennen wollte, brachten sie mich in die Gefangenensammelstelle Tempelhofer Damm. In der Nacht schlief ich in einer Gruppenzelle zusammen mit einem Dutzend Kettenraucher.
Samstag wurden Sie entlassen. Sind Spraydosen fürs erste tabu?
Das war eine einmalige Aktion. In den letzten Tagen habe ich vor dem Reichstag mit Mahnwachen weiter protestiert, wurde von der Polizei aber immer wieder daran gehindert. Habe ich überhaupt schon von meiner Rechtsauffassung erzählt?
Nein. Bitteschön.
Also: Handlungen, die das friedliche Zusammenleben der Völker stören, insbesondere Angriffskriege, sind laut Artikel 26 des Grundgesetzes verfassungswidrig. Die Stationierung deutscher Soldaten im Ausland stört das friedliche Zusammenleben aber ungemein.
Und daraus leiten Sie das Recht für Ihre Spray-Aktion ab?
Nach Artikel 20 habe ich das Recht, gegen jeden Widerstand zu leisten, der die verfassungsmäßige Ordnung beseitigen will. Ich habe kein Attentat auf Herrn Schröder verübt, sondern nur seine Wand besprüht. Das ist durchaus noch im Rahmen der Verhältnismäßigkeit. Deshalb habe ich gegen meine Verhaftung geklagt.
INTERVIEW: ULRICH SCHULTE
Raimond Heydt studiert laut eigenen Angaben Philosophie, Politik und Altgriechisch in Berlin und ist seit 1995 Mitglied der SPD.